1900 Schulgarten

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    Bericht von Karl Martini Hausnummer 33

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war in das Schulwesen relative Ordnung eingetreten. Die Lehrerbildung war, durch die Gründung des Lehrerseminars, qualitativ besser und sicherer geworden. Man ging vor allem daran, neue, entsprechende Schulgebäude zu errichten.
In Jakobsdorf war das besonders notwendig, wenn man weiß, dass die Schule in zwei Räumen auf dem Baakenhof Nr. 55 untergebracht war und aus allen Nähten platzte. So wurde der Bau einer neuen Schule beschlossen. Sie wurde als eine der Schönsten immer wieder gelobt.
Was immer vergessen wird, ist der Umstand, dass schon immer mit der Schule auf dem Land eine Baumschule, ein Schulgarten gefordert wurde, um den Dorfkindern auch eine praktische Ausbildung, vor allem Obstbau, zu vermitteln. Diese Aufgabe wurde aber nie von den Gemeinden ernst in Angriff genommen.

    • 1835 “Die Baumschule - wenn sie sein muß - ist hinter das Burghüters Gärtchen anzulegen.”
    • 1846 Der damalige Pfarrer Friedsmann: “...ihm den Garten unter dem Namen Baumschule zu überlassen”
    • 1880 ist von “der Errichtung eines Schulgartens für den Unterricht der Schüler und Erweiterung der Baumschule” die Rede.

Hinter dem Burghüterhaus gab es schon lange ein “Gärtchen” des Burghüters. Daran schloß sich schon die Gemeindeweide an. Gleichzeitig mit dem Bau der neuen Schule entstand der neue Schulgarten.
Auch dieser Teil der Schule, ein Musterbeispiel, das es so im ganzen Umkreis im Harbachtal nicht mehr gab. Heute ist er verlottert.

Mein Großvater Georg Martini (Gruiße Jorch) nahm sich dieser Aufgabe Baumschule-Schulgarten besonders an, da er als Jakobsdorfer Bauernsohn wußte wie wichtig dieser praktische Unterricht für die angehenden Bauern war.

Fast alle Obstbäume in den Gärten Jakobsdorfs stammen aus dieser Baumschule. Durch die Versteigerung der veredelten Bäumchen, kamen diese in die einzelnen Gärten. Der Erlös der Versteigerung kam der Schule zu gute.

Die “Bauherrn” des Schulgartens war die Bruderschaft und die “großen” Schulbuben. Die Grundlinie der “pyramiedenähnlichen” Form des Schulgartens bildete ein Fahrweg, auf dem die Ziegeln für den Bau der Schule, aus dem “Ziegelschoppen” aus dem “Miesichfeld” herangefahren wurden. Auf demselben Weg kamen auch die Ziegeln für den Bau des “Saals” auf die Baustelle.
Parallel zur Ringmauer verlief ein Fußweg bis in den Obstgarten. Oberhalb des Fahrweges wurden vier Terassen a 20x20 m für das Aufziehen der Apfel-Birnen-Zwetschgen Sprößlinge und deren Veredelung, angelegt. Zwei Jahre nach der Veredelung wurden sie dann versteigert.
Oberhalb der Terassen, getrennt durch eine zwei Meter hohe Böschung lag der Gemüsegarten und an der Ringmauer ein Beerengarten. Hier gediehen die Beeren (Stachel-, Johannis-, Himbeer-, Brombeer) besonders gut, da die Ringmauer wie eine richtige Heizung wirkte.

Der Rest des Gartens, getrennt durch eine Haselhecke vom Pfarrgarten, war Obstgarten. Am Zaun zur Gemeindeweide standen auch Obstbäume.

Der Schulgarten hatte nicht nur zum Ziel die landwirtschaftliche Ausbildung der Schüler zu gewährleisten, sondern diente auch den Lehrern zur Selbstversorgung.

Unterhalb des Fahrweges, an der Krichgasse, wurde ein Wirtschaftshof angelegt, bestehend aus einem Viehstall, daneben Schweine und Hühnerstall. Hier gab es dann auch eine Möglichkeit zur Selbstversorgung der Lehrer und des Burghüters.

Der Schulgarten hatte in dieser Form Bestand bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Nach der Schulreform von 1948, ohne Baumschule, wurde er durch den öfteren Wechsel der Lehrer, nicht mehr so in Schuß gehalten.Der Verfall setzte sich langsam fort und wurde dann teilweise aufgelassen.

Heute gibt es den Schulgarten nicht mehr!

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