Bericht von Pfarrer Hans Konnerth:

In schwierigen Zeiten sind wir an den Bau dieses Gemeindehauses gegangen, können aber auch hierbei feststellen, wie viel eine Gemeinde zustande bringt, wenn sie guten Willen und das Herz dabei hat. Der in das Schulgebäude eingebaute Saal ist für Gemeinde-veranstaltungen von jeher zu klein gewesen. Größere Veranstaltungen, Zusammenkünfte, beispielsweise mit Nachbargemeinden konnten darin schon gar nicht abgehalten werden. So bestand von jeher das Bedürfnis nach einem deutsch evangelischen Gemeindesaal.

Ein an und für sich sehr erfreulicher Umstand hat uns nun den Bau desselben gleichsam aufgedrängt. Die Kinderzahl unserer Gemeinde ist in den letzten Jahren so angewachsen, dass der Schulsaal im Herbst 1936, (bis 130) Schulkinder als drittes Klassenzimmer in Verwendung genommen werden musste, und wir dadurch gar keinen Raum für Gemeindeveranstaltungen übrig behielten. Das war die letzte Ursache an diesen Bau zu gehen.
Es wäre schier unmöglich gewesen, das Gemeindehaus durch Geldumlagen zu bauen. Einen gangbaren Weg fanden wir in den Frucht- und Holzumlagerungen.
1935 und 1936 wurden 5% von der Korn- und Haferernte, 6 Viertel Mais pro Wirt und eine Klafter Buchenholz gesammelt. Wir werden noch etliche Jahre hindurch uns solche Umlagen auferlegen müssen, bis der angefangene Bau fertig gestellt sein wird. Dazu kommen noch die vielen Fahrten, die selbstverständlich nachbarschaftsweise geleistet werden. Jung und alt ist mit wenigen Ausnahmen gerne an dieser gemeinnützigen Arbeit dabei.

Für künftige Geschlechter lassen wir etliche Daten aus unserer Zeit folgen:
Ende 1936 lebten in unserer Gemeinde 1293 Menschen, davon

    • 783 Sachsen,
    • 176 Rumänen,
    •  11 Ungarn, und
    • 269 Roma.

Selbstständige Höfe sind jetzt im ganzen 252, davon 176 sächsische, 40 rumänische, 3 ungarische und 33 romaische.

Unser Hattert umfasst 4853 Joch und ist seit 1908 komasiert und wird fleißig und fortschrittlich bearbeitet, meistens in Form von 4-5 Feldwechselwirtschaft. Neben Weizen, Gerste, Mais und Hafer wird immer mehr Kraftfutter angebaut, da gegenwärtig als Hauptwirtschaftszweige Milchwirtschaft und Schweinemast genannt werden müssen.

Neben zwei Mühlen, drei Dreschmaschinen gibt es noch eine Reihe von wirtschaftlichen Maschinen die eine rentable Bewirtschaftung ermöglichen. Der Hang zum Boden wird immer größer, umsomehr da den Leuten aufgeht wie viel die Vorfahren leichtfertig in fremde Hände verkauften. In den letzten Jahren ist kein sächsischer Boden verloren gegangen. Es ist auch sehr notwendig, dass wir uns an die Scholle klammern, weil unsere Volksgenossen in letzter Zeit mehr und mehr aus Beamtenstellen, Industrie und gewerblichen Betrieben hinausgedrängt werden.

Neben den Landwirten haben wir in unserer Gemeinde eine Reihe Gewerbetreibender, die aber meist neben ihrem Gewerbe auch Landwirtschaft betreiben. Die Leitung der politischen Gemeinde liegt nach Verhältnis in den Händen der Deutschen und der anderen Einwohner. Der Gemeinderat setzt sich aus 8 Sachsen und 4 Rumänen zusammen. Neben dem deutschen Notär amtiert seit Herbst 1932 ein rumänischer Ortsrichter, es ist wohl der erste in Jakobsdorf. Die Arbeit im Gemeinderat ist vielfach schwierig, da das nationale Empfinden vielfach überspannt ist und zu unerfreulichen Auseinandersetzungen führt. Die Steuerlast ist verhältnismäßig hoch und trifft die deutschen Gemeindemitglieder um so empfindlicher als diese noch besondere Beiträge für die Erhaltung der evangelisch-deutschen Schule und der ev. Kirche zu leisten haben. Demnach lebt auch in unserer Gemeinde der feste Wille die evangelische Kirche und deutsche Schule zu erhalten, weil diese Pfeiler unser Volksleben tragen. Nicht bloß wir erhalten sie, sondern wir werden von ihnen erhalten. Ohne zu übertreiben kann man von einer gewissen Beweglichkeit im Glaubensleben unserer Gemeinde reden.
Es ist auch heute noch wie seit Jahrhunderten, sozusagen das ganze sächsische Volksleben spielt sich im Rahmen der evangelischen Kirche ab. Kinderbewahranstalt, Schule, Schwester- und Bruderschaften, Frauenvereine sind Arbeitsfelder unseres kirchlichen Lebens. Aber hinzu kommt ein Neues. Den Nachkriegsjahren, in denen das kirchliche Leben allerlei Erschütterungen erfährt, folgt nun ein allmähliches Horchen auf Gottes Wort. Der Kirchenbesuch ist besser als früher. Neben den Schulkindern, der erwachsenen Jugend, besuchen an gewöhnlichen Sonntagen 25-40 Männer und 50-70 Frauen durchschnittlich den Gottesdienst, an Festtagen und besonderen Anlässen entsprechend mehr. Im vergangenen Jahr gab es 504 Abendmahlbesucher, das Krankenabendmahl wird selten erbeten. Seit einigen Jahren werden auch Bibelstunden gehalten, die sich eines verhältnismäßig guten Besuches erfreuen, diese Stunden haben auch zur Verlebendigung des Glaubenslebens beigetragen. Auch die Bibellese kommt in unsere Häuser und seither gibt es noch mehr Menschen als vorher, die täglich die Bibel aufschlagen und mit dem Wort in enge Beziehung treten.
Mit Recht kann gesagt werden, dass auch unsere lebendige Gemeinde wächst. Bedrückend ist die gegenwärtige innervölkische Lage. Gerade jetzt wo die nationalen Spannungen groß, vielleicht überspitzt werden, findet uns die Umwelt zersplittert in hartnäckigem Bruderkampf.
Aber die Erscheinungen der Reformationszeit werden auch heute wieder merklich. Was hat nicht alles an Luther und seiner Glaubensbewegung gehängt und was hängt sich heute alles an die Erneuerungsbewegung? Menschen mit den verschiedenen Überzeugungen, Menschen die letztlich gar nicht das Volk im Auge haben, Unzufriedene, Schwärmer, Streitsüchtige, sie alle machen hinter dem Wort „Erneuerung“ Deckung, um unter diesem Namen ihr Wesen, besser Unwesen treiben zu können. Der Bruderkampf nimmt bedrohliche Formen an und die Umwelt freut sich vielfach wie wir uns selbst schwach und müde machen. Wir haben den Glauben, dass Gott auch uns nicht verlassen hat, dass er uns nicht müde und matt, nicht verfallen lassen will, sondern auch Wege hat, auf denen auch wir zusammenfinden werden. Wenn wir dieses evangelisch-deutsche Gemeindehaus aufführen, dann soll es nicht nur unser sein, sondern unseren Kindern und Enkelkindern gehören; dann bauen wir es in der Zuversicht, dass es in diesem herrlichen Berglande, welches unsere Vorfahren zum
„Land der Fülle und der Pracht“
machten, deutscher Laut und das deutsche Herz nicht aufhören, sondern bleiben!
Allein starkes Gemeindebewußtsein konnte dieses Gemeindehaus erbauen.
Euch, Ihr künftigen Geschlechter soll es ein Zeichen unseres Lebenswillens sein, die heilige Mahnung in sächsischer Mundart künden:

„Mer wallen bleiwen wat mer sen, Gott hälf es enst och ängden,
mer wässen wat mer schäldich sen, den Duiden och den Kängden.“


Jakobsdorf, am Tage der feierlichen Grundsteinlegung, den 23. Mai 1937 (Trinitatisfest)