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Ausschnitte aus dem Bericht von Hermine Grommes geborene Rau Nr. 110
Die Winter waren oft sehr lang, kalt und frostig. Die Tage kurz, die Nächte lang. In den kalten Winternächten schien der Mond hell und klar auf das tief verschneite Dorf. Der Himmel war übersät mit funkelnden Sternen. Der Schnee knirschte unter den Schuhen. Väterchen Frost malte die schönsten Eisblumen an unsere Fenstern. In der Dunkelheit leuchtete hie und da mal das Licht einer Laterne auf den verschneiten Wegen. Die Adventszeit war immer eine ruhige und besinnliche Zeit. Es wurden Vorbereitungen getroffen für das bevorstehende Weihnachtsfest.
Es war der 24. Dezember des Jahres 1948. Unsere Mutter war schon früh auf den Beinen um das Brot für die Feiertage zu backen. Früh am Morgen klopfte es an der Tür, sie sagten einfach: „heute müsst ihr aus dem Haus raus, den Hof verlassen.“ Unser Vater war zur Zwangsarbeit verschleppt. Die Mutter wollte es nicht wahr haben, am Heilig Abend, so eine schreckliche Nachricht zu erfahren. Sie sperrte uns Kinder im Haus ein und hielt sich bei Nachbarn und Verwandten versteckt. Da sahen wir vom Fenster aus, dass die Nachbarin über den Bach, Katharina Orend, von „diesen gefürchteten Männern“ aus dem Hof gezerrt wurde. Mit den Händen auf dem Rücken festgebunden wurde sie zum Rathaus geführt. Wir hatten Angst, wollten nicht auch unsere Mutter verlieren, der Vater war schon viele Jahre von zu Hause weg. Es fing an zu dämmern, die Mutter kam Nachhause, machte Tür und Fenster auf. „Diese Männer“ standen schon im Hof, räumten die Möbel aus, mitten in den Schnee. Verwandte und Freunde kamen mit Wägen und luden alles ein. Es fing an zu schneien. Die Weihnachtsglocken läuteten zur Kirche. Unsere Mutter schritt mit Tränen in den Augen und gebeugten Hauptes hinter den Wägen her. Wir waren bei Familie Schüller (Nr.135) untergebracht. Nun gingen wir Kinder am Heiligen Abend zur Kirche. Der Christbaum stand in voller Pracht, bunt geschmückt im Scheine der Kerzen. Die Lichtlein an der Tanne verzauberten das Kirchenschiff. Das Leuchten in den Kinderaugen konnte man bestimmt nicht übersehen. Die Frauen saßen rund um den Christbaum und daneben standen die Körbe mit den Gaben. Der Pfarrer verkündete die Weihnachtsgeschichte. Es wurden die schönen Weihnachtslieder gesungen und die Kinder trugen ihre Gedichte vor. Ich kann mich nicht mehr erinnern ob ich mein Gedicht gesagt habe und ob ich mitsingen konnte. Es wurde immer wieder eine Wunderkerze angezündet. Hüpfende Sternlein flossen nach unten und verschwanden. Die Orgel erklang und die ganze Gemeinde stimmte mit an das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Wir Kinder gingen zur Bescherung um den Christbaum herum, nahmen unsere Päckchen dankend entgegen und gingen in die Nacht hinaus.
Vor der Kirchentür wartete unsere Mutter auf uns, nahm uns bei der Hand und wir gingen die Kirchgasse hinunter. Es war unser neuer Nachhauseweg. Zwei Häuser weiter von Familie Schüller wohnte unsere Großmutter (Thellmann) mit ihrer Schwiegertochter und den Kindern. Sie hatte für uns alle das Abendessen gekocht: Schweinebraten, Wurst und Sauerkraut. Zu Trinken gab’s den guten Lindenblütentee. Die Feiertage vergingen und wir sahen nach dem Rechten in der neuen Wohnung. Nach und nach gewöhnten wir uns an unser neues Zuhause. Auf unserem Hof wurde vieles zerstört, abgerissen und verschleppt. Erst nach sieben langen Jahren durften wir wieder zurück. |
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