Nr. 123 Philp

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Auf diesem Hof wohnten:

1778

1802

1822

1868

1900

1938

Johann Fielk

Georg Fielk

Agnes Fielk

Sohn von Johann Fielk

Johann Fielk

Martin Philp

Auszug aus dem Werk unseres Heimatdichters aus Jakobsdorf
Martin Philp,

freigegeben an Herrn
(aus Jakobsdorf)

zur Veröffentlichung,
durch Ulrike Konnerth geb. Philp (Tochter des Heimatdichters M. Philp)

MARTIN PHILP und SEINE ZEIT

Heimatdichter aus Jakobsdorf im Harbachtal

Biographie

Bevor unser Heimatdichter zu Worte kommt und uns auf die Reise in sein so wunderbares Werk mitnimmt, will ich so gut es mir gelingen wird, auf einige Details seines Lebens eingehen.

Im schönen Dörfchen Jakobsdorf Nr.26, im Harbachtal in Siebenbürgen, erblickte er am 12. Juli 1901 das Licht der Welt. Hier im Sachsenlande Siebenbürgen, erlebte er fröhliche so wie auch traurige Stunden seines Lebens.
Seine Eltern, Mutter Maria geb. Barthmes (
Nr.20 iam Wänkål) und sein Vater Johann Philp waren fromme, fleißige Jakosdorfer Bauern.

Zusammen mit seinen drei Schwestern: Maria, Sofia und Hermine sowie seinem Bruder Johann, verbrachten sie sorglose Tage. Erzogen wurden sie im strengen christlichen Glauben. So zehrte Martin ein Leben lang von der beispielhaften, liebevollen Erziehung der Eltern.

Martins Elternhaus lag ein paar Schritte von einer grünen schattigen Allee entfernt. Die schöne weiß gestrichene Lattenumzäunung schloss eine wunderbare Tanzfläche ein. Es gab Bänke zum Sitzen und wenn so richtig gefeiert wurde, dann wurde auch richtig gespeist, an mit schneeweißen Tischtüchern gedeckten Tafeln. Die Tücher wurden von den fleißigen Händen der Frauen gewebt.

Es umsäumten die Allee große Eichen, Linden und Kastanienbäume. Mangel an frischer Luft gab es da nicht.
Selbstverständlich durfte auch die Blaskapelle nicht fehlen, wie sollte sonst das Tanzbein der frohen Jugend geschwungen werden?
Die Kinder konnten sich da richtig austoben und lernten auch ihr erstes Tänzchen. Es waren herrliche Zeiten.

Kein Wunder dass die Idylle der Kindheit, die Liebe zur Natur sehr früh in Martins inneres Wesen Einzug hielt. Er liebte die Natur über alles, sah das Werden und Vergehen.

 

Sein Vater hatte bei der Kommassation (Grundstückzusammenlegung) am 10. Mai 1910, den eigenen Grund sehr weit von zu Hause ausgewählt, in Michelsdorf. Sein Wald grenzte an den Neithauser Grund am „Hundsrücken“.
Das war das Ergebnis großer Pläne für die Zukunft.

Großvater hatte sehr vieles gebaut: eine große Scheune für das Viehfutter für den Winter, Ställe für Vieh, Schweine und Geflügel.
Ein kleines Häuschen wurde gebaut, umgeben von einem schönen Blumengarten und Beerensträucher.
Weiße und schwarze Maulbeer- und Pflaumenbäume blickten von einer kleinen Anhöhe des Anwesens hinunter zu dem rauschenden Bach.

Martin war sehr eingenommen von Gottes Wunderwelt, er sah die Blumen blühen, hörte die Vöglein singen und tief aus seinem Inneren sagte er sich: „Ich will ein freier deutscher Bauer werden!“

Schon als kleiner Junge nahm ihn sein Vater mit aufs Feld, da sah er im Frühjahr das Werden in der Natur, sah die schönen, blauen Veilchen blühen, pflückte ein Sträußen und schenkte es seinem Mütterlein.
Er durfte sogar im Sattel sitzen, auf einer sehr geduldigen Stute und ein Viergespann beim Pflügen leiten. Doch dafür war der kleine Knirps noch nicht geeignet und das treue Pferd konnte ihm bei all dem was geschah, auch nicht weiter helfen, die vielen Zügel und -.....- doch, bis am Ende war dann alles wieder gut geworden.

Dieses sorgenlose, schöne Leben dauerte nur kurze Zeit.
Es war der 1. August der Jahres 1914, es war Kornernte. Die Schnitterinnen waren frohen Mutes, sangen hin und wieder ein Liedchen, ja, das tägliche Brot war nun sicher da, für alle.
Mitten in diese so bedeutende Arbeit ertönten unglaubliche, verängstigende Rufe:„Krieg!“, „Krieg!“. Die Glocken klangen traurig, die Sicheln und Sensen wurden still, nur Weinen und Klagen durchriss die wunderbare Natur. Auch verängstigte Kinder waren zu hören, die vergebens unter Weinen, auf die Beantwortung ihrer Fragen warteten.
Nun kam der bittere Ernst des Lebens der große Trauer für Martin, seine liebe Mutter und seine Geschwister, brachte.

Sein Vater musste in den
Ersten Weltkrieg ziehen. Die Mutter blieb alleine mit ihren fünf Kindern, zurück. Martin war der Älteste. Er tat sein Bestes, so wie es ein Kind eben kann und vertrat die Stelle seines Vaters. Er wurde schnell groß und stark in seinem Innern.
Viele Nächte verbrachte er nun auch alleine auf dem Michelsdorfer Feld, im Häuschen und auf der Blumenwiese. Beim Mondschein bewunderte er die Natur und sah wie Reh und Häschen, bei Nacht auf dem Kleefelde, ihr wunderbares Essen fanden und betrachtete die Lichterketten der Glühwürmchen. Öfters hing er sich die Büchse seines Vaters auf die Schulter, steckte die Patronen in die Tasche und ging los. Die Flinte knallte, vielmals auch daneben, ob gewollt oder ungewollt - .„Mein Revier“, nannte er das Michelsdorfer Feld und durchstreifte es in der Nacht.

Es vergingen die Monate, es vergingen die Jahre, sein Vater kehrte leider nie mehr zurück. Nur die paar Worte waren stets zu hören: „Verschollen im ersten Weltkrieg!“


Martins Vater Johann hatte schon früh erkannt dass sein Sohn sehr begabt war und wollte ihn auf eine „höhere Schule“ geben. Es kam aber nie dazu. Neben seiner „Liebe zur Natur“, hatte Martin von seinem Vater außerdem die Liebe zur Musik kennengelernt, denn er war auch ein großer Musikliebhaber. Er spielte bei der Jakobsdorfer Musikkapelle Bass und auch Violine.
So marschierte Martin, als kleiner Junge mit dem "Helikon" (Kontrabasstuba) auf der Schulter zur Musikprobe. Dabei war das Helikon fast größer als er.

Unser alter Herr
Rektor Georg Martini, war ein treuer, wahrer, unermüdlicher Lehrer. Er bildete die Musikanten aus und hatte großen Erfolg. Er scheute keine Mühe, war stets für „Jakobsdorfs“ Ansehen bereit zu arbeiten. So bildete er auch ein Streichorchester, da war auch Martin dabei. Bei der Blaskapelle spielte er den „Bass“.

Da nun Vater das Violine spielen sehr gut verstand, wollte er sein Wissen weiter geben.
Aus seiner Notenschule, - ein großes Notenbuch für Violine -, brachte er mir auch ein paar Übungen bei. Doch das Schicksal wollte es wieder anders.
Nur noch Erinnerungen sind geblieben. Es ist so, als würde ich heute noch die letzte Übung sehen, auf einem hellen grünen Hintergrund, wo ein Baum abgebildet war und die Notenlinien waagerecht durch die Äste des Baumes glitten. Die Noten bildeten die Köpfchen der Vöglein, die gleichzeitig das Lied: „Auf zum grünen, grünen Wald, wo die Vöglein singen...“, trällerten. Vielleicht hört man sie auch heute noch, irgendwo eingesperrt in der Notenschule, dieses Liedchen zwitschern - .


Martin war zum stattlichen Jüngling herangewachsen und gründete seine eigene Familie. Am 21 Mai 1923 heirate er die gute Seele Regina geb. Baak aus Jakobsdorf Nr.88.
Ihre Eltern waren ebenso rechtschaffene, fromme Bauern. Sie hatte drei Brüder: Johann, Georg und Michael und drei Schwestern: Katharina, Sofia und Hermine. Regina war die Älteste der Geschwister. Vor ihrem Elternhaus war eine kleine Idylle zu sehen. Eine schlanke hohe Tanne stand inmitten auf einer kleinen Anhöhe, rings umgeben von einem eckigen „Zementtrog“, durch den klares, frisches Wasser, für Mensch und Vieh in Mengen, Tag und Nacht, jahrein, jahraus, floss.

Die ersten Jahre lebte das junge Paar auf Martins Elternhof, da war noch ein kleines Stübchen.
Jinni und Helmi wurden dort geboren. Die Eltern arbeiteten fleißig und sammelten für ein eigenes Heim. Mit Hilfe, vor allem von Martins Onkel,
Georg Barthmes, konnten sie dann Jahre später den Hof Nr. 123 kaufen. Da gab es nun sehr viel zu tun. Das taten sie gemeinsam mit großem Ausdauerndem Fleiß und großer Liebe.
Hier auf dem „neuen“ Hof kam Tochter Ulrike zur Welt.
Nun war ein „Drei-Mädel-Haus“ da. In der Familie herrschte Glaube, Liebe, Eintracht und Friede.

Trotz all der vielen Arbeit, pflegte Martin die große Verbundenheit zur Natur, die ihm als Quell, aus dem er den Stoff für sein schönes Werk schöpfte, diente. Unermüdlich entfaltete sich sein Dichten und Denken in sächsischer sowie in hochdeutscher Sprache. Ein Hauch von Melancholie und auch Wehmut, durchzieht sein Werk. Es ist der Ausdruck eines von Schicksalsschlägen versehrten Leben.

Nie ging er ohne einen kleinen Bleistift und ein Stückchen Papier von zu Hause fort und war es auch nur von einem kleinen „Packel Tabak“ oder eine kleine Zündhölzchen Schachtel. Da hielt er seine Gedanken fest.

Nun halfen ihm die Kenntnisse aus der Musik. Viele seiner Gedichte erhielten eine Melodie von ihm und von seinem guten, treuen Freund Michael Adleff Nr.68 in Jakobsdorf und wurden so zu wunderschönen Liedern, die auch bei uns zu Hause, vierstimmig gesungen wurden. Dabei waren unsere Familie, Vaters Bruder Johann und Familie, sowie auch Mutters Bruder Michael und Familie.

In seinem Werk hat er vielen Verwandten und Bekannten ein paar Verse gewidmet.
Martins Lieder sind alle erhalten geblieben und unser lieber Freund Georg Philp, hat auch mit sehr vieler Hingabe daran gearbeitet, um sie zu retten. Dass kann auch nur ein Mensch vollbringen, der genau so ein Musikliebhaber ist, wie Martin es war. Von Herzen bin ich ihm sehr dankbar dafür.

Vater hatte mehrere Hobbys, er war vielseitig begabt. Oft war er auch an der Holzdrechselbank zu sehen. Er machte Spinnräder, Spulenräder, Haspel, Webstühle, Obst- und Weintraubenmühlen, Kelter sodass auch viele Jakobsdorfer bei ihm ihre Trauben und ihr Obst kelterten.
Die Arbeit am Holz machte er mit Liebe. Er schnitzte Bilderrahmen, Holzbilder mit Sprüchen an die Wand, Spielzeuge aus Holz, Schemel, gepolsterte Stühle aus Nussbaumholz und noch vieles mehr. Ein ca. 80 cm großes Schaukelpferd aus einem Block Holz wurde auch von ihm gefertigt, dass die Reise dann zu Weihnachten nach Durles antrat, zur Freude von Willi, Jinis Sohn.

Ebenso machte sich Martin das Lesen, um sich über wichtige Sachen zu informieren und auf dem Laufenden zu sein, zu einer weiteren wichtigen Aufgabe seines Lebens. So hat er z.B. die gesamte Ausgabe des „Kirchlichen Blattes, des Jahres 1937“ gesammelt, eingebunden, die Buchumschläge aus Holz gefertigt und ein Muster darauf geschnitzt.

An den langen Winterabenden wenn das Spinnrädchen seiner Frau Regina surrte, las Martin ihr Lehrreiches, Heiteres und Schönes vor. Ich erinnere mich noch dass er, aus einem Buch über einen sehr begabten Sohn eines Musikers, vorlas. In späteren Jahren erfuhr ich das dieses Buch „Friedemann Bach“ hieß und das er der jüngste Sohn des großen Meisters J. S. Bach war. Wohl weiß ich auch über einen Zeitungsroman „Goethes letzte Liebe, Ulrike von Levetzow", erschienen 1932. So wusste ich nach dem Lesen, wie meine Eltern zu meinem Namen kamen, der doch sehr ungewohnt auf dem Lande war.

Als das Spinnrädchen seine Arbeit getan hatte, durfte es ruhen und die beiden Fleißigen, Regina und Martin fanden nun ihr Plätzchen am Webstuhl. Vater half bei einer besonderen Webart mit, dem „Iaklauwån“. Die Muster dazu zeichnete er selbst.

Ferner hatten es ihm außerdem die landwirtschaftlichen Maschinen angetan. Die Bauern sollten auch eine Hilfe bei der schweren Feldarbeit erhalten. Er hatte Mechaniker bei seinem
Onkel Kaar gelernt.
Sie hatten zu Dritt eine Dreschgarnitur angeschafft, sowie auch eine Ziegelpresse. Martin investierte viel in landwirtschaftliche Maschinen so auch in Kartoffelroder, Neuhaus Hexler, eine Hanfbrechmaschine betrieben von einem kleinen Benzinmotor. Das war eine große Hilfe für die Bearbeitung des „Hanfes“, so mancher kam und konnte sich die Arbeit erleichtern. Mein Cousin Wilhelm Böhm war zuständig für das „Huånåfhàckån.“

Auch diese Zeit - dauerte nicht lange. Es kam nun das Ende für alles Bedeutende, Wertvolle und nur Verluste und Entbehrungen unseres Sachsenvolkes waren auf dem Plan. Das Wertvollste auf der Welt - „der Mensch“ - kam an die Reihe, er wurde von seinen Liebsten in die Ungewissheit, in die grausame Kälte, ins Inferno verschleppt.

Die Glocken vom Turme schickten ihnen, manchem auch für immer, den letzten Sonntagsgruß.

So wiederholte sich die Zeit des Leidens.

Das Schreckliche hatte unserem Sachsenvolk der Zweite Weltkrieg gebracht.
Es kam der „
Schwarze Sonntag“, der 14. Januar 1945. Vater Martin, Jinni und Helmi wurden nach Russland verschleppt. Unschuldig wurden Familien auseinandergerissen. Mutter Regina und ich blieben alleine zurück, in Angst.
In Warten, Hoffen, Beten und Bangen vergingen die Jahre. Unendliches Leid hatte sich über unser Volk ausgebreitet.
Am 5. Juli 1948 kam ein kranker Mann in seine Heimat zurück. Wir hatten ihn wieder - doch 1949 musste er ins Krankenhaus, nach Schäßburg, wo er operiert wurde. Es ging danach wieder etwas besser. Martin blieb seinem Dichten und Denken, noch immer treu, sogar auch im Krankenhaus.
Im Jahre 1956 musste er von neuem ins Krankenhaus nach Schäßburg.


Am 6. Juli 1956 kam der bitterste Schicksalsschlag für unsere ganze Familie. Es war kein Beginn eines Weltkrieges, nein, es war für uns noch Schlimmer. Die Glocken kündeten diesmal den Tod eines so sehr geliebten Menschen in seinen besten Jahren, unseres Vaters Martin Philp, an. Nun gab es kein Warten, Hoffen, Beten und Bangen mehr, nun wussten wir, dass wir ihn für immer verloren hatten.

Für so ein großes Leid findet man keine Worte.

Martin starb viel zu früh, im Alter von nur 55 Jahren.
Einsam und verlassen, musste unser Leben weiter gehen, mit einer stillen Hoffnung - als Wanderstab.-

 

Ulrike Sofia Konnerth - geb. Philp,
Martins jüngste Tochter.

Die Werke von Martin Philp werden auf den Hauptseiten Lieder und Gedichte veröffentlicht.

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